Die Zahlen der Aid Worker Security Database sind deutlich: 2024 kamen weltweit 387 humanitäre Helferinnen und Helfer gewaltsam ums Leben – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Erfassung. Auch 2025 blieb die Zahl mit rund 350 getöteten Helfenden auf einem hohen Niveau. Betroffen sind insbesondere lokale Mitarbeitende und Freiwillige, die den größten Teil der humanitären Hilfe vor Ort leisten.
„Humanitäre Helferinnen und Helfer, die Verwundete versorgen, Lebensmittel verteilen oder Familien in größter Not beistehen, dürfen niemals zum Ziel werden. Dass immer wieder Helferinnen und Helfer bei ihrer Arbeit gezielt bedroht, verletzt oder getötet werden, ist unerträglich“, sagt DRK-Generalsekretär Christian Reuter. „Das humanitäre Völkerrecht ist eindeutig: Humanitäres Personal muss respektiert und geschützt werden. Wir appellieren deshalb an alle Konfliktparteien, das Recht ausnahmslos einzuhalten – und an die Staatengemeinschaft, Verstöße nicht hinzunehmen, sondern konsequent aufzuklären und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.“
Auch die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung ist unmittelbar betroffen. 2025 wurden mindestens 31 Mitarbeitende und Freiwillige der Bewegung während ihrer humanitären Arbeit getötet, im noch laufenden Jahr 2026 sind es jetzt schon 21. In verschiedenen Konflikten kamen Helfende ums Leben, obwohl viele von ihnen das Zeichen des Roten Kreuzes oder Roten Halbmonds trugen oder sich in entsprechend gekennzeichneten Fahrzeugen und Einrichtungen befanden.
„Unsere Kolleginnen und Kollegen gehen dorthin, wo Menschen dringend Hilfe brauchen – oftmals unter enormen persönlichen Risiken. Voraussetzung dafür ist, dass sie sicher arbeiten und die betroffene Bevölkerung erreichen können. Wer humanitär Helfende angreift, gefährdet deshalb nicht nur einzelne Menschen, sondern nimmt ganzen Bevölkerungsgruppen lebenswichtige Unterstützung. Wir brauchen sicheren und ungehinderten humanitären Zugang, den Schutz unserer Mitarbeitenden und Freiwilligen sowie die uneingeschränkte Achtung der anerkannten Schutzzeichen etwa des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds. Diese Grenzen dürfen auch im bewaffneten Konflikt nicht zur Disposition stehen“, sagt Christian Reuter.
Das DRK leistet gemeinsam mit seinen Schwestergesellschaften weltweit humanitäre Hilfe allein nach dem Maß der Not – unabhängig von Herkunft, Religion, politischer Überzeugung oder sozialem Status. Eine besondere Stärke der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung sind ihre lokal verankerten Strukturen und Freiwilligen. Die Nationalen Gesellschaften sind bereits vor einer Krise in den jeweiligen Ländern präsent und bleiben auch dann an der Seite der Bevölkerung, wenn viele andere internationale Organisationen ihre Arbeit aufgrund der Sicherheitslage einschränken oder abbrechen müssen.
Umso wichtiger ist es, diese lokalen humanitären Strukturen zu schützen und langfristig zu stärken. Gleichzeitig steht die humanitäre Hilfe unter erheblichem finanziellem Druck. Trotz der großen weltweiten Bedarfe – mindestens rund 240 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen – sollen die Mittel Deutschlands für humanitäre Hilfe nach den aktuellen Haushaltsplanungen auch 2027 auf einem Niveau bleiben, das gegenüber 2024 einer Kürzung um mehr als die Hälfte entspricht.
Das DRK appelliert deshalb an die Bundesregierung und die internationale Staatengemeinschaft, die Achtung des humanitären Völkerrechts, den Schutz humanitär Helfender, sowie eine verlässliche Finanzierung humanitärer Hilfe gemeinsam in den Mittelpunkt zu stellen. Denn nur wenn diejenigen geschützt werden, die Hilfe leisten, kann Hilfe auch diejenigen erreichen, die sie am dringendsten benötigen.
Der Welttag der humanitären Hilfe erinnert jedes Jahr am 19. August an humanitäres Engagement weltweit und an diejenigen, die bei ihrer Arbeit ihr Leben verloren haben. Anlass für die Einführung des Gedenktages war der Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad am 19. August 2003, bei dem 22 Menschen ums Leben kamen.
